Ansprache von OStD i.K. Werner Otte auf dem Adventskonzert 2007




Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Gäste!

Vor vielen Jahren sagte mir einmal ein Vater: „Mit dem Adventkonzert in St. Ursula fängt für mich Weihnachten an.“ Er sprach damals aus, was auch heute die meisten von uns erleben dürften: Gerade die Wochen vor dem Weihnachtsfest sind sehr hektisch und für eine adventliche Besinnung bleibt kaum Zeit – jedenfalls nicht für die Erwachsenen.




Da ist es gut, dass bei uns so viele Schülerinnen und Schüler von der Musik begeistert sind und uns mit ihrem Singen und Spielen begeistern, ob in den beiden Unterstufenchören, im Schulchor, in der Jungen Bigband, in der Bigband, im Jungen Orchester oder im Sinfonieorchester.

In diesem Jahr machen wieder fast 500 Schülerinnen und Schüler mit – so viele, dass wir zum erstenmal 3 Adventkonzerte haben und jedes mit einem anderen Programm.

Und wenn wir auch nur das heutige Konzert gehört haben, so sind wir uns sicher einig: es war wunderschön und Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, habt uns damit eine große Freude gemacht. Wir sind ganz begeistert und wir sagen Euch von Herzen Dank!

Ihr habt uns aus der Hektik des Alltags herausgeführt und wir haben gespürt, dass der Mensch sich nicht allein über die Arbeit definieren kann, sondern unbedingt den 7. Tag braucht, damit er zur Besinnung kommt.

Mich persönlich hat dieses Konzert innerlich ruhig gemacht, es hat mir innere Freude geschenkt und neue Kraft für den schulischen Alltag. Wenn ich Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, auf der Bühne erlebe und sehe, wie Ihr bei der Sache seid, wie viel Freude aus Euren Augen und Gesichtern strahlt, wie viel Lebensfreude Ihr zeigt, dann ist das ansteckend und macht Mut für die Zukunft, und dafür möchte ich Euch noch einmal mit allen Anwesenden danken. Ihr seid großartig!

Liebe Gäste, wenn ich Referendaren oder Bewerbern, die eine Stelle suchen, unsere Schule vorstelle, dann beschreibe ich unser Gymnasium manchmal als eine „Insel der Seligen“, in der sich nicht das wirkliche Leben abspielt.

Sie ahnen sicher, wie ich das meine; und vielleicht fragen auch Sie sich schon länger irritiert, was in unserer Gesellschaft los ist und wie es um ihre Zukunftsfähigkeit bestellt ist.

Immer weniger Kinder werden geboren, immer weniger Kinder wachsen in der emotionalen Sicherheit einer Familie auf und immer mehr Kinder haben es schwer. Sie bedürfen der Betreuung außerhalb der Familie und lernen nicht mehr zu Hause richtig zu sprechen.

Wir hören von zunehmender Kinderarmut, von Misshandlungen, von Verwahrlosung und müssen zur Kenntnis nehmen, dass einzelne Eltern sich von ihren Kindern überfordert fühlen und dass ihnen selbst die natürlichen Instinkte verloren zu gehen scheinen.

Regelmäßig ist die Empörung in den Medien groß, die Politiker ergehen sich umgehend in Betroffenheit und Aktionismus und auch wir neigen vielleicht zu vorschnellen Urteilen; doch sollten wir fragen, ob junge Eltern in unserer Gesellschaft nicht viel zu oft mit ihren Sorgen und Nöten alleingelassen werden, ob nicht gerade viele junge Mütter weder in ihren Lebensgefährten noch in ihren Eltern eine Stütze bei der Versorgung, bei der Betreuung und bei der Erziehung ihrer Kinder haben und dass sie daher in jeder Beziehung alleinerziehend sind.

Und wir müssen fragen, welche Bedeutung Kinder überhaupt noch in unserer Gesellschaft haben, ob sie uns überhaupt noch etwas wert sind und was wir anders machen müssen.

Diese Gedanken beschäftigen mich in diesem Jahr, wenn ich an Weihnachten denke. Dabei wird mir neu bewusst, dass Gott als Kind Mensch geworden ist.

Welch ein Szenario im Stall von Bethlehem! Nicht die Erwachsenen stehen im Mittelpunkt und kreisen um sich, nein: Alles dreht sich um ein Kind! Maria und Josef, Ochs und Esel, Engel und Hirten und sogar Könige scharen sich um ein Kind. Der erste Vers in der Weihnachtsliturgie verkündet daher zu recht: „Puer natus est nobis“ – „Ein Kind ist uns geboren“ und daher singen wir gerne „Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein“.

Weihnachten sagt uns: Wir finden Gott in einem Kind. In diesem Kind und in allen Kindern; denn jedes Kind ist ein Ebenbild Gottes. Diese Botschaft könnte unsere Gesellschaft verändern!

Und tatsächlich scheint es auch den Verantwortlichen in unserem Land zu dämmern, dass Kinder die Zukunft einer Gesellschaft sind und dass sie die Rahmenbedingungen für Kinder verbessern müssen.

Sie stecken daher neuerdings viel Geld in Betreuungsmaßnahmen und das ist gut so. Dennoch frage ich mich persönlich oft, ob es dabei wirklich primär um das Wohl der Kinder geht, und es besorgt mich, dass der Staat zunehmend mehr die Rolle der Eltern übernehmen und – gegen das Grundgesetz – „die Lufthoheit über den Kinderbetten“ gewinnen könnte.

Der Staat kann Betreuung organisieren und das Personal bezahlen. Kinder brauchen aber mehr als Betreuung: sie brauchen Liebe. Die aber kann kein Staat dieser Welt organisieren und bezahlen, das können Eltern und Familien besser und sie machen es ohne Bezahlung und oft genug ohne gesellschaftliche Anerkennung.

Liebe Gäste, nicht nur beim heutigen Konzert stehen bei uns die Kinder im Mittelpunkt, sondern eigentlich immer; denn bei uns gilt der Satz: die Schüler sind nicht für die Schule da, sondern die Schule für die Schüler.

Wir Lehrer sorgen uns gemeinsam mit den Eltern um das Wohl unserer Kinder, um das körperliche wie um das seelische Wohl. Das ist nicht immer einfach, erfordert oftmals viel Geduld und gelingt nicht immer im gewünschten Maße.

Der heutige Abend zeigt aber eindrucksvoll, wie die Welt ein wenig besser werden kann, wenn man sich im Ziel einig ist und wenn die Rahmenbedingungen stimmen:

wenn es Eltern gibt, denen ihre Kinder wichtig sind, die sich Zeit für sie nehmen, die sich für die schulische Entwicklung ihrer Kinder interessieren und die sie in jeder Beziehung fördern,
wenn Schüler sich nicht nur für das unmittelbar Nützliche interessieren, sondern vielseitig interessiert sind und sich z.B. auch der Musik öffnen,
wenn es unter Schülern eine Kultur des Miteinander gibt,
wenn ein Schulträger nicht nur das Notwendige finanziert,
wenn auch ein Förderverein zusätzliche Mittel bereitstellt und z.B. mit dafür Sorge trägt, dass jedes Kind alle Fahrten mitmachen kann, auch wenn die Eltern nicht so viel Geld haben,
wenn ein Verein der Ehemaligen die Schule ideell wie materiell unterstützt,
wenn eine Stadt wie Brühl seit Jahren einen Zuschuss gewährt, obwohl wir keine städtische Schule sind,
wenn Firmen und Institutionen ihre unterschiedlichen Ressourcen zur Verfügung stellen und
wenn es Lehrer gibt, die ihre Tätigkeit nicht nur als Job sehen, sondern mehr zu tun bereit sind, als sie müssen und als sie bezahlt bekommen.

Dafür könnte ich wieder viele Beispiele nennen und auch dafür möchte ich mich am Ende dieses Jahres bei unserem Kollegium herzlich bedanken.

Stellvertretend darf ich wieder unsere Musikpädagogen nennen: Frau Ankermann, Frau Hegge, Herrn Heinl und Herrn Menke.

Aber auch Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, danke ich noch einmal für das wunderbare Konzert, und Ihnen, liebe Gäste, für Ihr Kommen und dafür, dass Sie gleich das Schlusslied kräftig mitsingen werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohmachendes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das Jahr 2008.


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