Statement der Elternvertreterin Ulrike Offele, Essen, bei der
Großdemonstration am 21.1.2004 vor dem Landtag in Düsseldorf



Liebe Eltern! Liebe Schülerinnen und Schüler! Liebe Lehrerinnen und Lehrer! Liebe Gäste,

als Mutter von drei Töchtern standen mein Mann und ich mehrmals vor der Wahl , welcher Schultyp passt zu unseren Kindern, was macht eine gute Schule aus? Mit allen Töchtern haben wir uns mehrere weiterführende Schulen angeschaut. Anschließend sind wir gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, dass das Bischöfliche Tagesheimgymnasium Am Stoppenberg die richtige Schule ist. Da ich berufstätig bin, kam mir als Mutter diese Entscheidung sehr entgegen und wir haben diese bis heute nicht bereut.

Inzwischen studiert unsere älteste Tochter, die zweite hat wegen des größeren Kursangebotes zur BMV gewechselt und die jüngste besucht weiterhin das Tagesheimgymnasium.

Unsere Kinder haben an den kirchlichen Ersatzschulen Schule als einen Ort kennen gelernt, der mehr ist als Wissensvermittlung und Pauken. Sie sind in ihren Lehrern Menschen begegnet, die mit ihnen das Leben lernen, die ihnen helfen, ein selbstverantwortliches Leben aus dem Glauben zu fuhren.

In unserer heutigen Spaßgesellschaft, die nur noch unter dem Motto steht "Erlaubt ist, was gefällt" droht die Werteerziehung der Wertebeliebigkeit zu weichen. Hier bieten kirchliche Schulen einen Gegenpol. Sie sind ein Angebot für Schüler und Eltern, die eine im christlichen Glauben wurzelnde, am christlichen Menschenbild orientierte Bildung und Erziehung bejahen und fördern. Bildung allein reicht nicht. Beide - Bildung und werteorientierte Erziehung - setzen unsere Kinder in die Lage, ihre Zukunft verantwortlich zu gestalten. Insofern bedeutet Bildung Lebenskunst: die Fähigkeit, sein Leben zu meistem.

Gerade die internationalen Pisa Vergleichsstudien bescheinigen dem deutschen Bildungswesen, dass es seine Möglichkeiten nicht genügend ausschöpft, um die Lern- oder Leistungsbereitschaft junger Menschen zu fördern und Talente zu nutzen. Es ist daher in allen gesellschaftlichen und politischen Institutionen unstreitig, dass wir unser Schulwesen modernisieren müssen. Der Bund stellt deshalb in seinem Zukunftsprogramm für Bildung vier Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung. Die Landesregierung in NRW stellt sich mit seiner drastischen Kürzung für Ersatzschulen in einen krassen Gegensatz dazu! Das ist nicht zu verstehen und angesichts der europäischen Herausforderung der völlig falsche Weg. Dagegen protestiere ich im Namen der anwesenden Eltern und ihrer Kinder.

Da wir in einer pluralistischen Gesellschaft leben und auch leben wollen, brauchen wir im Schulwesen notwendigerweise die Vielfalt und nicht den Einheitsbrei. Nur aus der Vielfalt entwickelt sich - wie in der Natur - etwas Neues und Zukunftsweisendes. Nur ein pluralistisch ausgestaltetes Schulwesen schützt vor Erstarrung , Stillstand und Rückschritt. Deshalb liegt es im eindeutigen Interesse des Staates, aktiv für diese Vielfalt zu sorgen. Nicht Abbau der Ersatzschulfinanzierung, sondern Ausbau ist angesagt! ! Nur so wird es gelingen, sowohl den weltweiten Ansprüchen auf beste Bildung als auch den unterschiedlichen Wert- und Zielvorstellungen bei der Erziehung unserer Jugend gerecht zu werden. Eine staatliche Einheitsschule kann dies - beim besten Willen - allein nicht leisten.

Auch deshalb sind Ersatzschulen dringend notwendig. Ihr Bestand muss gesichert werden und darf nicht durch Mittelkürzungen in Frage gestellt werden! Dafür wollen wir gemeinsam kämpfen. Ersatzschulen sind ein Stück Freiheit in unserer Gesellschaft, notwendig für eine erfolgreiche Gestaltung unserer Zukunft und Voraussetzung für eine freiheitlich demokratische Grundordnung im Sinne unserer Verfassung.

Mit einem Bibelzitat aus dem alten Testament möchte ich meine Rede beenden:

"Wer weise ist, der höret zu, und bessert sich; und wer verständig ist, der lässt sich raten."
Sprüche Salomos 1,5


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